Angehende Realschüler*innen der KVHS besuchen das Dialoghaus in der Hamburger Speicherstadt

Am 23.8. haben 17 Teilnehmende, eine Kursleiterin und die Fachbereichsleiterin der Realschullehrgänge der KVHS Landkreis Harburg in der Hamburger Speicherstadt die Ausstellung Dialog im Stillen besucht.

Alle zusammen Benny SchreckmimikKlein

Nach der Ankunft wurden zwei Gruppen gebildet. Ein gehörloser Guide geleitete je eine Gruppe für 45 Minuten in einen komplett stillen Ausstellungsbereich. Mit dichten Kopfhörern verschwand jeder Laut und plötzlich wurde die Mimik zum Zeichen der Verständigung.

Auf einem weißen Tisch, der von oben belichtet wurde, übten alle, mit ihren Fingern Schattenbilder zu erstellen.

Danach wurden Fotos auf den Tisch projiziert, die Gefühle auslösten:

  • Ein brüllender Nationaltorwart
  • Ein hungriger Löwe
  • Ein Katzenjunges
  • Ein Eimer voller Maden

Jede/r zeigte, welche Emotionen diese Fotos auslösten. Auch ohne gesprochene Worte war es klar und eindeutig, welche Gefühle ausgedrückt wurden.

Nachdem die Finger beweglicher wurden, die Mimik geschult wurde, wurde am Ende der Führung die schwierigste Aufgabe gestellt: Zwei Teilnehmende sollen aus Bausteinen ein Gebäude nachbauen. Wie es aussieht, erklärt die dritte Teilnehmende ausschließlich mit Gebärden. Das war nicht so einfach! Ein Bauernhof, eine Brücke, verschiedene Personen, die sich miteinander auf einem Gelände bewegen…

Schließlich gelang es allen.

Am Ende konnte auch eine einfache Kommunikation in Gebärdensprache mit dem Guide erfolgen.

„Wie geht es Dir?“ „Mir geht es gut.“

„Woher kommst du?“ „Aus Hamburg.“

„Wie findest Du Hamburg?“

„Schön!“

„Was machst Du gern?“

„Ich wandere gern.“

Im Anschluss an die Führung gab es einen pädagogischen Workshop, indem ein Guide etwas zur Situation gehörloser Menschen in Deutschland erzählte.

                       

Er selbst erkrankte mit zwei Jahren an einer Meningitis (Hirnhautentzündung), aufgrund dessen er sein Gehör verlor. Durch die Schulbildung in einer Schule für Gehörlose hat er schnell die Gebärdensprache erlernt.

In Deutschland gibt es ca. 80 000 Gehörlose; 140.000 Menschen benötigen einen Gebärdendolmetscher.

Im Alltag helfen Lichtsignale, laute Geräusche zu ersetzen. Es gibt Wecker, die entweder mit Licht wecken oder durch Vibration. Dazu wird ein Vibrationskissen unter das Kopfkissen gelegt und diese Bewegung weckt auf.

Hilfreich wäre es für Gehörlose, wenn in öffentlichen Gebäuden starke Lichtsignale zusätzlich zu den Alarmgeräuschen einen Notfall anzeigen.

Das Feedback der Teilnehmenden:

  • Es war gut und es hat Spaß gemacht!
  • Die Guides leben einfach mit ihrer Einschränkung.
  • Es war witzig aufgebaut.
  • Wir haben viel selber gemacht.
  • Die Menschen sind bewundernswert!
  • Wie sie das aushalten – leben ohne zu hören.
  • Sie haben es gut rübergebracht.
  • Mir hat gut gefallen, dass wir direkten Kontakt mit den Gehörlosen hatten. Dass wir mit ihnen reden konnten und nicht über sie.

Das Feedback der Kursleiterin und der Fachbereichsleiterin lautet:

Auf jeden Fall regelmäßig mit den Teilnehmenden der Schulabschlusslehrgänge besuchen!

Die Sparkasse Harburg-Buxtehude ermöglichte die Fahrt mit einer großzügigen Spende!

Vielen Dank dafür.

Ina und Benny vor Dialoghaus